Bereits in einem meiner letzten Artikel habe ich die Analogie eingebracht, dass man den Start in die Welt der sozialen Medien im Internet durchaus mit einer Expedition vergleichen kann.
Diesmal gehe ich noch einen Schritt weiter und sage: Social Media ist ein Informations-Dschungel. Und wehe dem, der bei den Pfadfindern nicht aufgepasst hat und die wichtigsten Tricks und Techniken kennt, um in diesem Dschungel zu überleben. Der versinkt unweigerlich in einer Informationsflut aus der er nicht mehr rauskommt.
Als einer, der nun schon ein paar Jahre auf dieser Expedition unterwegs ist und der sich mit der Zeit einige Hilfen zurecht legen musste, um dort zu überleben zeige ich Euch heute ein paar wertvolle Gadgets aus meinem Survival Pack:
1. Blogs filtern mit dem Google Reader
Der Google Reader ist meiner Meinung nach eines der wertvollsten Tools von Google. Hier kannst Du an einer Stelle gebündelt Deine Blogs abonnieren und Dir die neuesten Artikel in verschiedenen Übersichten anzeigen lassen und sie direkt im Reader anlesen. Das spart Unmengen an Zeit gegenüber dem Aufrufen jedes einzelnen Blogs, ist wesentlich übersichtlicher als einen RSS Feed nach dem anderen durchzugehen und praktischer noch dazu.
Aber Achtung: Auch der Google Reader verliert an Effizienz wenn man zu viele Blogs abonniert hat.
Mein Tipp: Ich abonniere max. 20 Blogs – wenn ein neuer dazu kommt muss ein alter raus!
Und: Ich definiere feste Zeiten in der Woche für´s Blogs lesen – und ich halte mich daran.
30-45 Min. pro Tag müssen genügen. Der Google Reader hilft mir dabei, die für mich wichtigsten Artikel rauszufiltern.

2. Twitterfeeds filtern mit Twitter-Listen
Das Tool “Listen” bei Twitter ist brandneu und längst überfällig gewesen bzw. konnte bisher nur über zusätzliche Applikationen wie TweetDeck gehandelt werden. Das Prinzip ist ähnlich wie der Google Reader. Ich lege mir Personen, denen ich auf Twitter folge thematisch in Listen ab und filtere somit die große Anzahl der täglichen Feeds.
Ich habe z.B. eine Liste “News” in der ich nur den 3-4 wichtigsten Newsfeeds folge, wie z.B. @derWesten oder @SPIEGEL_Top . Dann habe ich eine Liste “Opinion Leader”, in der ich die Meinungsbilder im Web 2.0 abgelegt habe, wie z.B. @Ibo oder @klauseck usw. Mittlerweile lese ich fast nur noch die Tweets in den Listen und kaum noch in meinem Hauptstrang. Neue Listen erstellt man ganz einfach über die rechte Menüleiste “New List”.
Mein Tipp: Auch hier ist weniger mehr. Ich habe max. 5 Listen mit jeweils max. 10-15 Menschen, die ich darin abgelegt habe.
Und: Auch für´s twittern definiere ich feste Zeiten. 15 Min. am Morgen, 15 Min. nach dem Lunch, 15 Min. am frühen Abend … ok, und manchmal vor dem Fernseher wenn der Film der gerade läuft nicht wirklich gut ist.

3. Zeitfalle Facebook
Facebook ist toll und wird sicher auch in Zukunft eine der wichtigsten Social Media Anlaufstellen weltweit bleiben. Aber Facebook ist auch ein Zeitdieb. Vor allem wenn man vielen Fanpages folgt, die einen auch über diesen Kanal regelmäßig mit gutem Content versorgen. Dazu kommt die Gefahr, immer wieder leicht vom beruflichen Surfen ins private Surfen abzurutschen. Wie gut, dass es auch bei Facebook eine Listen-Funktion gibt. Diese richtet man sich über die Linke Menüleiste “Mehr” und dann “Neue Listen erstellen” ein.
Mein Tipp: Ich nutze mein Facebook-Profil privat und geschäftlich auf zwei völlig verschiedene Arten.
Beruf: Hier habe ich die für mich relevanten Fanpages und Profile mit denen ich vernetzt bin in einer Liste zusammengefasst. Diese Liste rufe ich 1x am Tag ab und investiere max. 15 Min. Zeit ins Lesen der Posts.
Den Informationsstrang meiner privaten Freunde lese ich erst am späten Abend, um mich am Tag nicht davon ablenken zu lassen. Am Abend lass ich mich treiben und investiere Zeit nach Lust und Laune.
4. XING – Vernetzen bis der Arzt kommt
Ja, auch das top-seriöse Business Netzwerk XING gehört zu den fiesen Fallen im Informations-Dschungel. Das Böse sind hier: die Gruppen. Mitglied einer Gruppe zu sein wird in XING oft als Statussymbol genutzt und man verkennt dabei die auf einen zurollende Ablenkung an Gruppen-Newslettern und das Kontakieren durch andere Gruppenmitglieder.
Mein Tipp: Ich überlege mir dreimal ob es sinnvoll und Mehrwert bringend für mich ist, einer Gruppe beizutreten. Dazu lese ich mir auch sehr genau deren Beschreibung durch und schau mir den Aktivitätsgrad der Gruppe an. Einladungen in Gruppen übergehe ich grundsätzlich. Wenn mich ein Thema interessiert, finde ich die beste Gruppe dazu auch selbst. Des weiteren überlege ich mir genauestens, ob ich den Newsletter einer Gruppe abonniere.
Und: Auch für XING gibt es bei mir feste Tageszeiten. D.h. ich reagiere nicht sofort auf jede Benachrichtigung in meinem Postfach, dass ich eine neue XING-Mail habe. Die wirklich wichtigen Leute haben meine direkte Mailadresse und meine Telefonnummer und könnten mich in dringenden Fällen auch darüber erreichen.
5. Aggregatoren – die Retter in der Not
Eine wirklich gute Erfindung im Web 2.0 sind die sogenannten Aggregatoren. Wikipedia sagt: Ein Aggregator ist eine Software oder ein Dienstleister, der Medieninhalte (engl. Begriff Content) sammelt und aufbereitet und für eine Zielgruppe neu zusammenstellt. Auf diese Weise werden z. B. Musik, Filme oder gedruckte Zeitschriftenfotos für den Leser gebündelt verfügbar gemacht. Anm. d. Red.: Das gleiche gilt natürlich auch für Text, die auf Webseiten gebündelt werden. Aggregtoren wird es in Zukunft zu immer mehr Branchen und Themen geben. Finde den richtigen für Deine Themen und er wird Dir viel Zeit und Arbeit sparen.
Mein Tipp: Nandoo ist ein Aggregator, in dem man selbst die aggregierten Themen bestimmen kann. Mashable ist sicherlich einer der international relevantesten Aggreagtoren zum Thema “Internet, Web 2.0, Social Media”. Direkt danach kann ich noch SocialMedian empfehlen. Yigg ist der bekannteste deutsche News-Aggregator. Die meisten Aggreagtoren bieten auch einen entsprechend individualisierten Newsletter-Dienst an.
6. YouTube, Flickr, Bookmarking-Portale usw.
Ein Dschungel ist bekanntlich sehr groß und hat viele viele Möglichkeiten, sich darin zu ver(w)irren. So ist das auch in der Welt des Social Media und über XING, Facbeook, Twitter und Blogs hinaus gibt es natürlich noch viele andere Plätze im Web an denen man sich stundenlang aufhalten könnte. Letzen Endes muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er diese anderen Kanäle noch in den wenigen Stunden, die die Woche hat unterbringen will und vor allem: wie wichtig sie für einen selbst wirklich sind.
Mein Tipp: Ich arbeite jeden Tag von neuem hart daran, den zahlreichen Ablenkungen, die im Minutentakt eintrudeln zu wiederstehen. Ich bestimme wann ich lossurfe und wann der Browser geschlossen bleibt – und nicht eine Mail, die zufällig gerade kommt oder ein Link, den ich über einen Link, über einen anderen Link usw. gefunden habe. Diese Selbstkontrolle ist das A und O des Überlebens im Social Media Dschungel und man kann sich das antrainieren.
Und wenn es dann doch ab und zu mal passiert, dass man sich im Dschungel verliert und Pfade beschreitet, auf denen zu wandeln man gar nicht geplant hatte, dann sieh es als Abenteuer und ärger Dich nicht über die vertane Zeit sondern freu Dich über die neuen Horizonte, die Du entdeckt hast!
Tags: Bookmarking, Facebook, Flickr, Social Media, Twitter, XING, YouTube
Hier noch ganz aktuell ein neuer Aggregator, der sehr übersichtlich die wichtigsten Nachrichten-Twitterer bündelt (Spiegel, Die Zeit, Stern, Abendzeitung, Der Westen, Welt): http://www.tagesthema.de/