Wenn James Bond mit einer attraktiven Lady ins Bett geht, um Informationen über den Feind heraus zu finden, dann gilt das in Agentenkreisen als Kavaliersdelikt (und wir freuen uns über die gut aussehenden Frauen im Kino!)
Wenn Unternehmen unter Vorspielung falscher Tatsachen ihre Kunden ausspionieren dann macht das keinen guten Eindruck. Unfair, oder?
Wie gut, dass wir nun das Web 2.0 und Social Media haben. Denn ab sofort müssen Kunden nicht mehr mit fadenscheinigen Aktionen, teurer Markforschung oder aufwendigen Fokus-Gruppen ausgekundschaftet werden.
Das geht viel einfacher und ist auch noch völlig legitim!
Alles was man dazu braucht ist ein Profil in einem Social Network, wie z.B. Facebook, StudiVZ oder XING.
Als nächstes macht sich der angehende Web 2.0 Agent auf die Suche nach Gruppen im Social Network, die über Themen reden, die für ihn interessant sind. Hat er so eine Gruppe gefunden wird er Mitglied in der Gruppe – als echte Person oder als echte Firma. Bitte nicht mit falschen Profilen oder haben Sie schon jemals gehört, das Bond einen falschen Namen verwendet hätte.
Next Step: Zuhören, zuhören, zuhören … analysieren … was draus machen!
Beispiele gefällig?
1. Produktforschung: Ritter Sport Olympia
1980 wurde die leckere Sorte der quadratischen Schokolade auf den Markt gebracht. Mehrere Jahre später wurde sie wieder eingestellt, da andere Sorten besser liefen. Die Einstellung sollte eigentlich für immer sein.
Doch im Jahre 2008 stellten findige Ritter Sport Mitarbeiter fest, dass es im Internet zahlreiche Gruppierungen gibt, die aktiv eine Wiedereinführung der Sorte fordern. Es scheint, als gebe es da draußen jeden Menge echter Ritter Sport Olympia Fans. Ritter Sport reagiert richtig, nimmt den Stab auf, beginnt mit den Fans zu kommunizieren und feiert einen fulminanten Relaunch der Sorte “Olympia”. Mehr Infos dazu hier: auf dem Ritter Sport Olympia Blog
2. Medienforschung: Germany´s next Top Model männlich
Mehr oder weniger per Zufall haben wir festgestellt, dass es in fast allen relevanten Social Networks große Gruppen (bis zu 20.000 Mitglieder) gibt, die fragen, warum es GNTM nicht auch mal in einer Version gibt, in der männliche Models gesucht werden. Stimmt … warum eigentlich nicht. Wäre das nicht ein super Potentiel für Pro7? Da könnte man was draus machen …
3. Kundenzufriedenheitsforschung: Facebook und seine Relaunches
Wenn Facebook seine AGBs, sein Design oder die Struktur der Seite ändert bilden sich in Windeseile Gruppen, die Stellung zur jeweiligen Änderung beziehen. Aktuell gibt es die Gruppe “Change Facebook back to normal” mit über 1,5 Millionen Mitgliedern. Sie fordert, dass Facebook eine wesentliche Änderung des Mitteilungsstroms in den Profilen wieder rückgängig macht. Es wäre nicht das erste Mal, das Facebook dem Wunsch seiner Mitglieder nachgibt.
4. Innovationsforschung: Dell, Apple und Co.
Große IT-Giganten wie Dell oder Apple haben die Innovationsgewalt, die aus Communities heraus wachsen kann schon lange erkannt und selbst eigene Communties dafür gegründet, wie z.B. den Dell Idea Storm.
Aber es geht eben auch kleiner für den Anfang. James Bond hatte ja auch nicht von Anfang an die Lizenz zum Töten. Für den Anfang reicht es völlig aus, mit dem eigenen Profil in die Community einzutauchen, die richtigen Suchwörter im Bereich Gruppen eingeben (z.B. die eigene Marke, Branche oder andere relevante Keywords) und dann ein wenig stöbern und zuhören was Menschen wie Du und ich sich so überlegen und wünschen.
Sie werden staunen: die Ergebnisse können oft locker mit den ach so wichtigen Analysen der Trendforscher dieser Welt mithalten!
Hallo,
Ihre Tipps waren für mich hilfreich.
Ich werde es probieren und vielleicht habe ich
damit Erfolg.
Grüße
Inge
Sollte nicht eigentlich ein offenes Ohr – insbesondere für die eigenen Kunden – zu guten Ton jedes Anbieters gehören? Scheinbar brauchen wir erst das Internet, um uns wieder um unsere Kunden zu kümmern.
Harald Weber
@Harald Recht hast Du! Im Web ist es aber a) einfacher, b) dynamischer und c) relevanter den Kunden zuzuhören.
Denn Du bekommst die Infos in Echteit, per Mausklick und von vielen Kunden auf einen Schlag. Und kommunizieren kann man ja weiterhin. Bin aber auch immer noch ein großer Fan des guten alten face-to-face-Gesprächs